Turnierwurfsport


Nackte Tatsachen über Flachspuler!
Seit einigen Jahren gibt es einen Rollentyp auf dem Markt, der auch dieses Jahr -schon wieder- von zwei Angelgeräteherstellern als „neueste Innovation“ angepriesen wird:
Wirklich tolle, sauber aufwickelnde, sehr gute Angelrollen mit kurzen flachen Spulen, deren „übergroßer“ Spulenkopfdurchmesser für besonders weite Würfe sorgen soll.
Laut Herstellerangaben reduziert eine große flache Spule
A.) die Reibungsverluste beim Wurf ganz erheblich und
B.) sorgen größer ablaufende Schnurklänge für wesentlich geringere Schnurverdrallung .
Soso !
Nehmen wir einmal an, ich werfe nachgemessene 80m mit dem 18g Castinggewicht. Was passiert ?
Bei einer 2,70m Spinnrute mit einem Pendel von 1,50 m fliegen während des Wurfes ohne Schnurbogen von A (Spulenkante) nach B (Liegepunkt des Gewichts) 76,5m Schnur von der Spule.(0,7m Länge vom Endknauf bis zur Rollenspulenkante).
Der Schnurbogen in der Luft wird einfach nicht mit berechnet, weil er je nach Wurfhöhe und Windrichtung immer unterschiedlich ist. Der immer kleiner werdende Restschnuraußendurchmesser auf der Spule wird ebenfalls vernachlässigt. Es laufen also weit mehr als die angegebenen 76,5m Schnur von der Rolle.
Bei einer normalen 4000er Spule mit einem äußeren Spulenabwurfkantendurchmesser von 5 cm und somit einen max. Umfang von 15,71 cm (Formel: U=2πr) müssen mehr als 487 Klänge(K) (Wicklungen) ablaufen, um 76,5m zu erreichen (Berechnung: 76,5m:0,1571m/K = 487K)
Bei einer 4000er Flachspule von 6,5 cm Durchmesser (20,42cm Umfang)reibt sich die Schnur auch auf 76,5m Länge an der Spulenabwurfkante einen Wolf-nur fliegen hier weniger Wicklungen langsamer von der Spule, nämlich nur 375mal. Theoretisches Ergebnis: Die Reibungsverluste bleiben identisch und mögliche Weitenverluste durch Wicklungsdrall sollten eigentlich (lt. Hersteller) von den modernen Schnurlaufröllchen eliminiert bzw. stark reduziert werden.
Was macht Drall: Er verkürzt die Schnur auf der Rolle und kann während des Wurfes zum gefürchteten Schnursalat führen.
Versuch: Man nehme ein dünnes vierkantiges Gummiband und drehe es mehrmals um die eigene Achse.
Soweit die Theorie! Nun geht’s auf die Wiese - bei Windstille:
Meine 15 Jahre alte 4000er Standardrolle ohne Hightec-Schnurlaufröllchen gegen jeweils eine alte und eine neue Flachspulenrolle mit derselben 20er Schnur bis zum Maximum aufgerollt – je 6 mal geworfen.
Ernüchterndes Ergebnis: Mit keiner der beiden Flachspuler konnte ich weiter werfen!
Die vier weitesten Würfe erfolgten mit der alten Standardrolle.
Fazit: „Flachspuler“ sind sehr gute Angel-Angelrollen, aber keine besseren Weitwurf-Angelrollen